Italia 2022 Blögle

Ganz spontan am ersten Abend des Urlaubs doch ein Blog...ein kleiner wenigstens...ein Blögle...

Ostersonntag, 17.4.
Nach einem Cappucino ging es weiter nach Norden, über den Brenner und schließlich den Fernpass nach Hause. Alles lief wie geplant, der Verkehr war moderat, nur einkaufen konnten wir in Bozen nicht mehr, der Ostersonntag ist dann doch zu wichtig und auch die großen, sonst an allen Wochentagen geöffneten Supermärkte, bleiben geschlosssen.

Die Sackkarre transportierte klaglos unsere Einkäufe in den Keller, der Touran bedankte sich bei der Karre, da ihm nun seine Last genommen wart, und wir erfreuten uns zunächst an einem Stück Colomba (Ostertorte), dann an einer umbrischen Vorspeisenplatte und schließlich, cross-over-Küche, an leckeren Gerichten unseres favorisierten vietnamesischen Restaurants in Biberach.

Seit 2019 das erste Mal wieder gemeinsam auf Tour, wir haben gemerkt wir sind etwas aus der Übung aber verlernt haben wir es nicht. Umbrien war auf alle Fälle eine gute Wahl, kulturell und kulinarisch außerordentlich interessant und gesegnet mit sehr netten Menschen! Danke!


Samstag, 16.4.
Irgendwie passte alles in den Kofferraum aber ein Selbstläufer war es nicht. Pünktlich um 10Uhr verließen wir voll beladen unsere schöne Villa RandR und damit San Vitale, fuhren nach Norden über Cesena und Bologna und kamen etwas früh beim Agriturismo Boschi nahe Mantova an. Prompt begrüßten uns nur etliche Katzen und wir beschlossen der nahen Stadt an den vier Seen einen kurzen Besuch abzustatten, der auch wirklich kurz ausfiel und dem UNESCO Weltkulturerbe keineswegs gerecht wurde, wir müssen also nochmal wieder kommen!

Gegen 17Uhr wurden wir dann am Agriturismo erwartet und mit Espresso begrüßt, nach einer Ruhepause folgte ein wunderbares Abendessen:

Karfreitag, 15.4.
Markt, zum dritten, und dieses Mal richtig: Bastia Umbra ist nur 15min entfernt, hat einen der größten Wochenmärkte der Region und siehe da, dieser findet auch am Karfreitag statt. Überhaupt ist in Italien von einem Feiertag oder frömmelnder Zurückhaltung wenig zu spüren, die Müllabfuhr verrichtet ihren Dienst, die Motorsensen brummen in den Gärten, die Supermärkte und Geschäfte sind offen und vor den Bars und Cafés herrscht normaler Betrieb. Für uns, die wir in einem Bundesland mit Sonntagswaschverbot leben, in dem sogar in entlegenen, menschenleeren Industriegebieten die Hochdruckreiniger gottesfürchtig den 7. Tag der Woche begehen, eine erfrischende Erkenntnis. Wieder füllten wir unsere Vorräte mir Käse und Wurstwaren, kauften frische Erdbeeren und versorgten uns mit einem leckeren, für die Region typischen Porchetta-Brötchen, übrigens auch nicht gerade mit Fisch belegt, Porchetta ist ein im ganzen gebackenes, entbeintes Schwein.

Die Mittagspause verbrachten wir dieses Mal inmitten eines Konzertes aus Vogelstimmen unter der Pergola unserer Villa, außerdem konnte Ratri mittels der Pflanzenbestimmung auf dem Smartphone  noch das Rätsel lösen warum der Rosmarin aus unserem Garten so anders schmeckt als der zuhause. Weder Boden noch Luft oder Wasser machen es aus, also nicht das Terroir ist die Ursache, es handelt sich schlicht um Estragon, der übrigens, wie wir lernen, im Deutschen auch "Dragackel" genannt wird oder wurde und außerdem Namensgeber der spanischen Stadt Tarragona ist. Reisen bildet!

Nach der Siesta fuhren wir nach Spoleto, nicht verwechseln mit Spello oder gar Sportoletti aus Spello, ebenfalls ein wunderschönes Städtchen auf einem Hügel mit einer Festung am höchsten Punkt und einer barockisierten Kathedrale voller Fresken der Renaissance. Auch Spoleto ist touristisch gut erschlossen und so langsam merkt man die Ostertage, es wird voller, ein guter Zeitpunkt abzureisen. Abschluss des Ausflugs war unser definitiv bestes Gelato bei der Pistacchieria Crispini, die, wie der Name schon sagt, auf Pistazzien spezialisiert ist, diese nach Herkunft wie Sizilien oder Iran sortenrein zu Eis verarbeitet und verdelt. So hatte Ratri Pistazzieneis mit Salz aus Formentera, ich Eis aus Pistazzien aus Iran und die Sorte Salz-Karamell. Ein Genuss!

Wieder in der Villa genossen wir ein letztes Mal die Spätnachmittagssonne unter der Pergola vor den Olivenbäumen und labten uns an einem Cynar-Spritz - danke an Isa und Christoph für die Idee! Zum Sonnenuntergang saß ich dann kontemplativ auf der Dachterrasse der Villa und blickte gedankenverloren in die umbrische Landschaft als plötzlich ein großer Vogel hinter mir im Baum flatterte. Wir hatten in den letzten Tagen die Rufe als "pfauenähnlich" eingestuft aber jetzt war klar, dass es sich um prächtige, große Fasane handelt!

Es folgte ein typisches "Resteessen" für den Abend vor der Abreise, Crêpes mit allem, also wahlweise Käse, Holundermarmelade oder Gemüse mit Hühnerfleisch.


Gründonnerstag, 14.4.
"Unverhofft kommt oft" hieß es vor vielen Jahrzehnten in einem "Lustigen Taschenbuch" mit Donald Duck. So auch heute. Eigentlich waren wir nur nach Gualdo Tadino gefahren um den Markt zu besuchen, der dort donnerstags stattfindet, und tatsächlich fanden wir diesen dank tatkräftiger Unterstützung eines älteren Herren und seines Smartphones für die Übersetzung, denn auch dieses Mal wurde der Markt am Fuße des obligatotischen Hügels abgehalten statt wie unsere Information behauptete im Herzen der Altstadt. So richtig viel Zeit zum Schlendern und Staunen war dann nicht mehr aber für die gewünschten Einkäufe und einen kleinen Imbiss aus Porchetta und Käse-Panini reichte es aus. Dann machte Gualdo Tadino Mittagspause, alles schloss, bis auf ein Café, vor dem wir saßen und warteten. Um 15Uhr öffnete das Museo Civio in der Rocca Flea dann wieder seine Tore und wir kauften ein Ticket, das uns Zutritt für alle Museen der Stadt erlaubte und zudem noch ein ganzes Jahr Gültigkeit behielt. Und das Mueseum war wunderschön, als einzige Besucher bestaunten wir viel Kunst aus der Renaissance, vor 8 Jahren frisch restauriert und daher in leuchtenden Farben erstrahlend! Außerdem gab es einen archäologischen Teil und eine kleine Abteilung, die sich mit Keramik beschäftigt, hauptsächlich zeitgenössisch. Das schönste Stück war aber ein Siegelstempel um 1900 in Form einer figürlichen Darstellung, deren Flügel als Brieföffner ausgeformt war, und die deutliche Einflüsse des Jugendstils aufwies.

Nach der Besichtigung kamen wir mit der jungen Dame ins Gespräch, die uns die Tickets verkauft hat. Sie hat zahlreiche Sprachen studiert, darunter Englisch, und so war endlich einmal eine qualifizierte Unterhaltung jenseits von "essen, trinken, grazie" möglich. Schlussendlich wurden wir noch vor der Rocca Flea fotografiert und werden wohl als Beweis für die internationale Bedeutung des Museums auf Facebook zu sehen sein.

Da wir nun ein Ticket für alle Ausstellungen des Ortes besaßen schauten wir noch im Museo Regionale dell'Emigrazione vorbei, das sich mit den vier großen Auswanderungswellen aus Italien zwischen 1880 und 1960 beschäftigt, die die arme Region Umbrien sehr betroffen haben. Das Thema ist immer interessant, immer wichtig, und muss meines Erachtens immer aus drei Perspektiven betrachtet werden: Aus der der Zurückgebliebenen, der der Auswandernden und der der Bewohner der Region, in die ausgewandert wird. Die Perspektiven können wechseln, wie auch Italien in der Geschichte erlebt hat und gerade erlebt.

Anschließend fuhren wir zunächst zum Weingut Sportoletti, auf dessen Weinreben wir von unserer Villa blicken, und füllten unsere Sammlung an Souvenirs nochmals signifikant mit Assisi Grechetto, Villa Fidelia Bianco und Olivenöl auf. Den Abschluss des Tages bildete der Besuch der Basilika Santa Maria degli Angeli, deren Inneres uns noch fehlte, und wir trafen ohne es geplant zu haben zur 18Uhr Messe ein. Eine Messe in italienischer Sprache in einem solchen Ambiente ist schon ein besonderes Erlebnis, auch wenn wir nicht die vollen zwei Stunden blieben genossen wir die akustischen und visuellen Eindrücke in vollen Zügen.

Das Abendessen wird aus dem bestehen, was der Kühlschrank zu bieten hat, Antipasti, Gemüse, Pasta, Salat und zum Abschluss frische Erdbeeren vom Wochenmarkt in Gualdo Tadino.


Mittwoch, 13.4.
Gestern Abend durchlitten wir noch einen kleinen Schreckmoment als unser konstant glucksender und gurgelnder Kühlschrank plötzlich anfing zu brummen und dann verstummte. Nach einer Weile beschloss er aber den Gang in die ewigen Jagdgründe noch einmal zu verschieben, rülpste wieder fröhlich in die Runde und kühlte unseren Weißwein und Käse. Neues gibt es auch von der Haustür zu berichten, Uwe hat den Schließmechanismus einer fachkundigen Untersuchung unterzogen, das Problem identfiziert und mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln (Olivenöl) so weit gemildert, dass wir diesbezüglich optmistisch in die zukünftigen drei Tage blicken können.

Nach gestriger Ankündigung fand sich dann heute um 9Uhr die "pest control" ein, Vater & Sohn Kammerjäger. Nun ist das kleine Appartement offiziell für 24 Stunden gesperrt und muss morgen durch eine Reinigungsfachkraft gesäubert werden. Ob wir es danach nutzen wollen müssen wir dann erriechen und entscheiden. Unsere Vermieter haben uns übrigens bereits eine teilweise Rückerstattung des Mietpreises angekündigt und das Geld haben wir spontan in eine Übernachtung nahe Mantova investiert, um unsere Rückreise in zwei Etappen zu teilen und damit deutlich zu entspannen. Natürlich hätten wir die Übernachtung auch ohne Rückerstattung gebucht aber man freut sich doch wenn alles entspannt und ohne Aufregung geregelt werden kann, solche Dinge passieren eben.

Den heutigen Tag hatten wir für einen Besuch in Spello reserviert, zum ersten weil es eines der schönsten Dörfer Italiens ist, zum zweiten weil es nur 15min entfernt liegt und zum dritten weil mittwochs dort Markt ist. Wir parkten also am Fuß des Hügels und wanderten die wunderschönen Altstadtgässchen bis zum Kloster an der höchsten Stelle des Ortes, an der Uwe dann bemerkte den Markt hätte er bereits bei der Anfahrt unten kurz vor dem Parklatz ausgemacht. Schön ist Spello auch ohne Markt, allerdings auch touristisch extrem gut erschlossen, nicht auszudenken was sich hier in wenigen Tagen an Ostern abspielen wird wenn Busladungen von Touristen die Kunsthandwerk-, Mode- und Feinkostläden stürmen um sich vom Olivenöl-Sommelier verführen zu lassen. Um für die Saison zu üben wurde uns dann im Eiscafé auch prompt untersagt zu dritt am 6-Personen-Tisch zu sitzen und wir nahmen an einem 3-Personen-Tisch platz, Vorlieben für Schatten oder Sonne wurden dabei nicht priorisiert. Der schattige 6-Personen-Tisch blieb leer, das Eis schmeckte auch in der Sonne.

Nachdem wir uns dann den Abbau der letzten Marktstände angesehen hatten beschlossen wir uns ein trüffeliges Mittagessen zu gönnen, der "Postglione" war dabei gerne behilflich:
Den Ausflug rundete ein Supermarktbesuch in Spello ab, mit dem wir uns für das Abendessen rüsteten, denn wieder darf der Grill auf der Dachterrassse sein Werk verrichten, bei nun 26°C und sommerlichem Wetter richtig passend.


Dienstag, 12.4.
Ein Tag voller Weite aber auch Hindernisse. Ziel des heutigen Ausflugs war die Hochebene der Monte Sibilini, den Drachen- und Gleitschirmfliegern bekannt durch Castelluccio. Eigentlich wollten wir den kleinen Pass hinter Castelsantangelo sul Nera benutzen, um diesen uns schon bekannten Blick von Norden auf die erste Hochebene und Castelluccio zu genießen, wurden aber durch eine Baustelle in Visso und unsere Ungeduld beim Suchen der Umleitung ausgebremst. Also fuhren wir an den Monte Sibilini entlang nach Norcia und freuten uns auf eines der schönsten Städtchen Italiens, die Piazza San Benedetto und die Basilika des dort geborenen heiligen Bededikt, über die ich beim morgendlichen Kaffee und Tee noch vorgelesen hatte. Welch Ignoranz! Natürlich hatten wir 2016 die Nachrichten verfolgt und sicher auch registriert, dass das Epizentrum der Beben in genau dieser Region lag, und irgendwie sagt einem Armatrice und Norcia schon noch etwas, aber schlussendlich haben wir die Ereignisse schnell abgehakt wie Vulkanausbrüche auf Bali, Explosionen in Beirut oder Krieg im Jemen. Wenn man dann sechs Jahre später an zerstörten Ortschaften vorbeifährt, die gar nicht oder nur spärlich wieder aufgebaut werden, an den Ortsrändern die neuen, einheitlich praktisch errichteten Häuser oder Containersiedlungen sieht, gegenüber des Cafés in Norcia in solchen Containern die regionalen Spezialitäten wie Linsen, Salami oder Grappagläser einkaufen kann, dann erinnert man sich und versteht was diese für uns flüchtigen Nachrichten damals für die betroffenen Menschen bedeutet haben und noch immer bedeuten.

Nachdem diese Hindernisse im Kopf weggeräumt waren genossen wir um so mehr die Weite der Hochebenen und staunten über eine 2 Meter hohe, glänzend weiße Gesteinsschicht, die sich auf etwa 1800m MSL in den Bergen um den Talkessel zeigt, da sich das ganze Massiv in Folge der Beben gehoben hat. Auch Castelluccio selbst ist nur mehr ein Trümmerhaufen, trotzig hat ein Bewohner seine Ruine in den italienischen Farben bemalt, und auf der anderen Seite der Straße über den kleinen Pass stehen Container. Vor einem solchen saßen wir dann und aßen eine Linsensuppe mit Wurst aus Norcia, die Spezialität der Gegend, leider aus und mit Wegwerf-Plastikgeschirr. Mag sein, dass das Porzellan 2016 mit den Häusern untergegangen ist, aber man kann soetwas nachkaufen und fließend Wasser zum Spülen ist auch wieder vorhanden.

Nach der Weite der Landschaft wieder ein handfestes Hinderniss, frisch versorgt mit Antipasti und einer neuen 5 Liter Flasche Weißwein aus dem kleinen Carrefour-Supermarkt freuten wir uns auf unsere Terrasse, die Olivenbäume und den Aperitif, bekamen aber die Tür zum Haus nicht mehr auf. Die Schließmechanismen hatten bereits in den letzten Tagen keinen besonders zuverlässigen Eindruck gemacht aber, zumindest zum Teil, ihren Dienst verrichtet. Damit war nun Schluss, wie wir auch drehten und wendeten, rüttelten und traten, die Tür war nicht mehr zu öffnen. Kurz vor dem erneuten Anruf beim Verwalter, der uns eh noch eine Antwort bezüglich der Ameisenbekämpfung schuldig ist, drehte ich in einem letzten Anlauf etwas vorsichtiger und zärtlicher und siehe da, irgendwie waren alle Bolzen zu überzeugen sich aus der Schließung zurückzuziehen. Auf den massiven Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln möchten wir übrigens während unserer Anwesenheit lieber verzichten, Uwe schläft auf der Matratze auf dem Fußboden ohnehin besser als auf dem Klappsofa in seinem Appartement und das evakuierte Bad kann man ja nach Abspülen der Ameisen benutzen.

Das Abendessen ist bereits geplant, nach Oliven und einer kleinen Kostprobe aus Norcia folgen bald Cuoricini und Tortellini al Tuorlo in brodo, Salat mit Büffelmozarella und als Abschluss frischer Ricotta aus Castelluccio mit Holundermarmelade aus Norcia. Und Grappa aus neuen Gläsern aus Norcia. Also genau genommen aus in Norcia gekauften Grappagläsern aus der Türkei. Egal, da zählt die Weite.


Montag, 11.4.
Ein Tag in Perugia - und was für ein schöner! Eine beeindruckende Stadt, uralte Bausubstanz aus vielen Epochen der Besiedlung, angefangen bei den Etruskern bis heute. Ein Parkhaus mit Rolltreppen zur Altstadt, die uns in die Katakomben der Rocca Paolina führten, seit uns die Metro am Time Square in New York entlassen hat habe ich keine so spektakuläre Art erlebt in eine Stadt hineingezaubert zu werden wie heute. Im Laufe der nächsten Stunden erliefen wir Perugia, bestaunten Fresken von Raffaello in der Capella di San Severo (ein blitzschneller online-Tipp von Lars, den wir kurz zuvor von der Piazza IV Novembre mit der Fontana Maggiore gegrüßt hatten), erstanden zahlreiche Sorten der weltbekannten Bacio Perugiana (Süßkram) und schlenderten schließlich am späten Nachmittag zurück zum Parkhaus.

Auf dem Rückweg lockte uns das Hinweisschild zum Centro Commerciale Collestrada in einen riesigen ipercoop Supermarkt und wir kauften für das Abendessen ein, außerdem füllte sich unsere Souvenirkiste nicht unerheblich mit Fress- und Trinkbringseln. Ich hoffe die Autostrada-Maut auf dem Rückweg wird nicht nach Gewicht des Fahrzeugs berechnet.

Danach folgte ein für mich total magischer Moment dieser schönen Reise: Auf dem Dach unserer zu 50% bewohnbaren Villa, es gibt nichts Neues vom Ameisenproblem, ist eine Terrasse und darauf ein gemauerter Grill. Diesen habe ich entzündet, die Glut geschürt, Knoblauch, Bistecca und Salsiccia auf das Rost geworfen, stand dann mit einem Glas Bier in der Hand am Geländer und blickte nach Westen in den Sonnenuntergang hinter Perugia in die liebliche umbrische Landschaft. Die kühle Abendluft streichelte meine Wangen und der Geruch von Holzkohlefeuer und Grillfleisch verführte die Sinne. Archaisch, primitiv, an niedere Instinkte appelierend aber ungemein erfüllend und befriedigend. Einfach mal Menschsein macht eben Spaß.


(Palm-)Sonntag, 10.4.
Zunächst besuchten wir heute die Basilika Santa Maria degli Angeli im gleichnamigen Ortsteil von Assisi, übrigens der Partnerstadt von Los Angeles (welch ein Zufall), zumindest von außen, denn das Innere hatte Mittagspause. Danach hielten wir am Santuario Francescano di Rivotorto, einer Kirche, die um die bescheidenen Hütten der ersten franziskanischen Brüder von 1220 errichtet wurde. Nicht um die Originalhütten sondern um Hütten, die mit Sicherheit mit den Originalen fast identisch sind oder ihnen zumindest sehr ähneln, oder wenigstens in etwa genau so aussehen, also Hüttenmodelle eben, oder Modellhütten. Steinerne HÜTTEN eben, man, also HEILIG, Ende der Diskussion!

Alte Steine, sogar sehr hübsche, gab es dann auch in Bevagna, einem kleinen Örtchen mit niedlichen Gassen, Stadtmauer, romanischen Kirchen, mindestens einer vorzüglichen Gelateria und einer musikalischen Folklore-Darbietung zu wohltätigen Zwecken auf dem zentralen Platz, die uns richtig gut gefallen hat. Auf dem Rückweg hielten wir noch an einem alten Friedhof, immer ein wertvoller Einblick in die Kultur, kehrten dann zu unserer Villa R&R in "Antfrika" zurück, saßen vor dem Haus in der Sonne, blickten in das Tal und auf die Olivenäume und genossen...:

Samstag, 9.4.
Eine gute Nachricht: Nach dem Frühstück haben wir in Uwes Appartement einen total schönen Skorpion gefangen und in den Garten in Sicherheit gebracht.

Noch eine gute Nachricht: Danach waren wir bei den Weingütern Caprai und Antonelli in Montefalco, haben einen schönen Spaziergang durch die Weinberge unternommen und insgesamt 52 Flaschen flüssiges italienisches Kulturgut in den Touran geladen.

Die schlechte Nachricht: Der Skorpion wurde vor dem DDT in Sicherheit gebracht, das der Hausmeister gegen den eskalierende Ameisenbefall versprüht hat. Allerdings wurde ein größeres Problem festgestellt da es sich um ein Ameisennest im Gebälk der Decke handelt, und wir mussten diese Gebäudehäfte leider räumen. Das bedeutet Uwe hat seine Matratze im Wohnzimmer auf den Boden gelegt und wir haben wieder mal gepflegte, improvisierte Campingatmosphäre...

Zum Essen waren wir heute in der ortsansässigen Pizzeria Mille Matti und genossen die knusprig dünnen Pizzen. Netter Zufall: Im kreativ ausgestatteten Gastraum steht zur Dekoration ein Flügel von Selinke & Sponnagel aus Liegnitz!

Auf dem Rückweg durch die kalte, vom Regen gereinigte und Hundegebell erfüllte Nachtluft wurden wir Zeugen dieses einmaligen Schattenspiels an der Fassade der altehrwürdigen Kirche San Vitale.

3gestrin auf San Vitale


Freitag, 8.4.
Nach ruhiger, langer Nacht und spätem Frühstück fuhren wir in das Ortszentrum von Assisi und schlenderten durch den Ort, ein Epizentrum des mitteleuropäischen Christentums. Insbesondere die Basilika San Francesco mit ihrer Ober- und Unterkirche waren beeindruckend und die Ideen des Ordensstifters, zum einen etwas Verzicht zu üben und zum anderen entgegen dem damaligen Zeitgeist mit der vorherrschenden Begeisterung für die Kreuzzüge am Ideal des Friedens festzuhalten, erscheinen uns heute, 800 Jahre später, sehr fortschrittlich, für 2022 sehr passend und leider auch immer noch als Zukunftsideal.

Wieder zurück in unserer Villa saßen wir bei abflauendem Sturm und einem Hauch von Abendsonne noch etwas unter der Pergola und betrachteten bei einem Aperitif die Olivenbäume, danach bereiteten wir unser Abendessen:

Donnerstag, 7.4.
Wir verließen unsere Burg in Cremona und begaben uns auf eine mittelalterliche Pilgerreise nach Süden, vorbei an Parma (ohne Schinken), Módena (ohne aceto balsamico), Bologna (ohne Mortadella), Imola (ohne Rennautos) und schließlich ab Cesena (ohne was auch immer) auf die stark baustellengeplagte E45 nach Süden. Der Verkehr im industriellen Norden war schon immer heftig und ist sicher nicht besser geworden, zwei- oder dreispurige Kolonnen von LKW lassen keinen Spaß aufkommen. Die besagte E45 über Città di Castelo und Perúgia bestand zu ca. 25% aus einspurigen Abschnitten, in denen theoretisch 40km/h vorgeschrieben waren. Nach den ersten Erfahrungen ließ ich den Tempomat bei 97km/h stehen und zog mir trotzdem den Unmut der ausgebremsten Einheimischen zu, man darf derartige Zumutungen wohl nach wie vor einfach ignorieren. Gegen 16Uhr trafen wir an der "Villa R&R" im zu Assisi gehörigen Ortsteil San Vitale ein, fanden diese auf Anhieb, befreiten unseren Schlüssel aus dem üblichen Tresor, starteten die Heizung im ausgekühlten Gebäude und waren begeistert! Ein herrliches, eingeschossiges Bungalow an einem Hang mit Olivenhain, freie Sicht nach Süden auf die liebliche Landschaft um Perúgia, auf dem Dach eine Grillterrasse.

Landschaft und Ruhe, Olivenbäume, der Ort San Vitale mit zwei kleinen Supermärkten, Olivenöl-Hersteller (bestimmt eine Manufaktur...), einer Pizzeria und sonst eher nichts.

Wir kauften ein was einzukaufen war und widmeten uns dem ersten selbst bereiteten Menüs des Urlaubs:

Mittwoch, 6.4.
Anlass für den Besuch Cremonas war das Museo del Violino, schließlich wirkten hier die Familien Amati, Rugeri und Stradivari und machten den Ort zum Zentrum des Geigenbaus schlechthin. Aber auch andere Streich- und auch Zupfinstrumente wurden gebaut und so ließen wir uns etwa drei Stunden in die Welt der Musik entführen. Auch eine Geige von Ulrich Hinsberger aus Ringschnait (Kreis Biberach), der unlängst Ratris Cello überholt hat, hängt im Museo, denn sein Instrument hat beim Wettbewerb 2012 den 1. Preis gewonnen.

Nach einer kleinen Pause mit Panini sahen wir uns den Torrazzo an, den Glockenturm des Doms, an dem eine prächtige astronomische Uhr prangt und der deshalb ein kleines Museum zur Zeitmesskunst beherbergt. Die oberste Aussichtsterrasse haben wir zwar nicht erreicht da eine unangenehm offen konstruierte Wendeltreppe die letzten Meter überbrückt, aber auch eine Etage darunter hatten wir eine wunderbare Rundumsicht über das Städtchen am Po.

Den gelungenen Museumstag rundete ein Aperitif am Piazza della Pace ab - möge es helfen! Nach kurzer Schreib- und Lesepause in unserer Burg suchten wir dann die Osteria Pane & Salame auf, Aldas zweite Empfehlung, nicht ganz so heimelig wie die Osteria gestern aber ebenfalls sehr gut, bis auf etwas zu üppige Portionen:


Dienstag, 5.4.
Nach gemütlichem Start fuhren wir den Gardasee entlang, sporadisch bedrängelt durch flotte Ortskundige aber ohne steckenbleibenden Bus vor uns wie vorgestern. Danach erwartete uns die bekannt triste, flache und industriell geprägte Landschaft der Po-Ebene, in der wir es leider verpassten eine der zahlreichen Waschstraßen anzusteuern um unseren Touran von seiner Salzkruste zu befreien.

Um 14Uhr waren wir in Cremona, fanden unweit unserer Bleibe einen Parkplatz, stärkten uns mit einer Latte Macciato und begaben uns dann zur Stadtbesichtigung. Der Ort ist angenehm wenig touristisch, schön mittelalterlich, übersäht von Kirchen und tut nach dem Gardasee richtig gut. Am Domplatz gibt es eine schöne Gelateria, der Kellner spricht Deutsch, ist ja ok, das Eis ist delikat und der Gang zum WC ein kleines Abenteuer: Das Pesonal am Tresen betätigt einen Schalter, eine Aufzugtür öffnet sich, man steigt ein, drückt "-1" und wartet. Unmerklich senkt sich der Aufzug, man befürchtet schon eine Fehlfunktion, aber schließlich öffnet sich eine 90° versetzte Tür zum Kellergeschoss. Schummriges Licht empfängt den Gast, "Fahrstuhl zum Abort" dachten wir beide unabhängig voneinander in Reminiszens an Louis Malles Meisterwerk mit Miles Davis' nicht weniger meisterhafter Musik.

Nach der Dombesichtigung widmeten wir uns einem Anachronismus und versuchten auf dem Hauptpostamt eine Postkarte zu versenden, zogen eine Bearbeitungsnummer der Kategorie "P", warteten geduldig auf die "057" und brachten am Schalter unser Anliegen vor. Die Dame war sichtlich erheitert, musste aber aufgrund des skurillen Antrags erstmal nachfragen, die Postkarte wurde zwei Male gewogen und schließlich für 2,90€ auf den Weg nach GERMANIA gebracht.

Nicht weniger skurill war dann unsere Bleibe, die uns um 18:30Uhr von Alda übergeben wurde: In einem stinknormalen Mehrparteienhaus hat jemand "Castle House" eingerichtet, mit künstlicher Natursteinmaueroptik, viel schmiedeiesernem Dingsbums inlusive Fackelträgern mit Energiesparlampen, einer Art Zugbrücke neben dem Esstisch, Kerkertüren zu den Schlafräumen und wuchtigem Holzinterieur. Aufrgund der Bilder bei Booking.com waren wir eigentlich der Meinung ein AltstadtAppartement mit historischer Bausubstanz zu buchen, ob dieses kleine Disneyland nun für violinenkaufende Chinesen oder den italienischen SM-Club hergerichtet wurde entzieht sich unserer Kenntnis. Aber gemütlich und irgendwie interessant ist es schon. Und...Alda hatte den Tipp des Tages für ein Restaurant, gleich um die Ecke, richtig gut und geerdet, die Osteria La Bissola!

Montag, 4.4.
Unser Haus in Tremosine Villa, die Casa Luisa oder eben doch incognito Adele, wurde schon irgendwie liebevoll für uns vorbereitet, die Heizung lief und auf dem Wohnzimmertisch standen eine Flasche Wein und drei Gläser. Der Wein war allerdings umzingelt von recht authentischen 60er Jahre Möbeln plus der ubiquitären IKEA-Ferienhausausstattung und die Heizung war gegen die Kälte der Monate der Winterpause machtlos. So sah unser Bett dann auch aus wie das Club-Sandwich, das ich am Samstag bei der Weinprobe verzehrt habe, etliche Schichten von Decken begruben uns unter sich und Wärmflaschen verhalfen uns zu einer frühen aber gemütlichen Nachtruhe. Zum Glück hatte ich gestern gleich nach unserer Ankunft heiß geduscht denn bereits am Ende dieses kurzen Kapitels versiegte das warme Nass und eiskaltes Wasser aus einem Gletschersee plätscherte aus dem Hahn. Als sich an diesem Zustand auch heute nichts änderte und es zusätzlich beim Versuch warmes Wasser zu zapfen nach Gas roch sagten wir dann doch unseren Vermietern Bescheid und das kleine Problem konnte schnell behoben werden.

Nach dem Aufstehen gingen wir aber zunächst einkaufen, die Beschreibung hatte Recht, 150m zum Alimentari, leider auch etwa 80 Höhenmeter. Aber es gab alles was das Herz begehrte und da wir was Reisen angeht etwas aus der Übung sind und der letzte Italienaufenthalt auch bereits 5 Jahre zurückliegt waren wir über die Deutschkenntnisse der Dame im kleinen Supermarkt und des Metzgers nebenan auch gar nicht böse. Frisch gestärkt vom lokal erzeugten Käsen, Schinken und Salami stiegen wir dann erneut von Tremosine Villa nach Tremosine Vesio auf, wanderten zum Valle di Bondo und dort einen ca. 7km langen Rundweg mit schöner Sicht auf die schneebedeckten Berge und in das Tal des Gardasees. Am Wegesrand blühten Leberblümchen, Christrosen, Schlüsselblumen, Hundszahnlilien und Kissenprimeln (wenn die Pflanzenbestimmungs-App richtig bestimmt hat) und erfreuten unser frühlingssehnsüchtiges Herz.

Jetzt mixt Ratri gerade unseren Aperitif aus Mandarinetto und Weißwein und dann besuchen wir das Ristorante Pizzeria La Fenice (80 Höhenmeter über uns), da Nando (15 Höhenmeter unter uns) heute leider Ruhetag hat.



Sonntag, 3.4.
Eigentlich war ja gestern schon Urlaub, als wir bei einer wunderbaren Weinprobe bei Tilman schon viel über unsere Zielregionen in Italien gelernt und erste Weine probiert haben. Oder sogar schon am Freitag, als wir Uwe in Ulm vom Bahnhof abgeholt und abends gegrillt haben. Heute dann richtig, die gute alte Strecke über den Fernpass und Brenner, nur jetzt eben mit digitaler europäischer Reiseregistrierung, digitaler Vignette und digitaler Streckenmaut. Aus dem verschneiten Oberschwaben in das 15°C warme Südtirol, dann weiter an die Westseite des Gardasees und in die Berge nach Tremosine Villa. Dort hatten wir wohl statt einer Unterkunft ein ganzes Exit-Paket (Escape Room Spiel) gebucht, nur mit Hilfe des freundlichen Personals im Restaurante da Nando, das die Abbildung des Gebäudes in Booking.com identifizieren konnte, und schließlich durch ebendiesen Vergleich fanden wir nach ausreichender Suche inklusive ausreichender Höhenmeter den Schlüsselsafe am Tor, gaben den vierstelligen Code ein und bezogen so das gemütliche Haus in den Bergen, das statt Casa Luisa aus irgendwelchen Gründen Casa Adele heißt und daher mit der Anfahrtbeschreibung nicht identifizierbar war.

Und nun auf zu Nando!!

Nachtrag, es war ein Volltreffer!
Reicht!




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