Kolkata & Odisha 2026 Travelogue
25. Februar - Just you and me, We overdosed on pleasure (Puri)
Mr.
Prathan, Chief einer "tribal society", also Familienoberhaupt einer
indigenen Gemeinschaft im Westen Odishas, holte uns wie immer gut
gelaunt und pünktlich vom Hotel ab. Vermutlich wäre es auch sehr
interessant, mit ihm eine Tour zu unternehmen, zwar spricht er nur
wenig Englisch, das aber gut. Er hat uns erzählt, er stammt aus armen,
bildungsfernen ("not educated") Verhältnissen, hat anfänglich nur
teilweise als Fahrer gearbeitet und den Rest des Jahres mit seinem
Vater die Felder bestellt, und ist dann langsam in die Englische
Sprache und die Tourismus-Branche gewachsen.
Im Gegensatz zu
Manus schließt Mr. Prathan auch den Gurt, und setzt sich nicht auf den
geschlossenen, sich nicht anzuschnallen ist für mich nur durch das Gottvertrauen eines
Brahmanen erklärbar. Aber was heißt hier schon Gottvertrauen, ich erinnere an die
Trimurti, Brahma, der Schöpfer, Vishnu, der Erhalter und Shiva, der
Zerstörer. Ich denke ja, so ein Anschnallgurt kann gut und gerne den
Unterschied zwischen Vishnu und Shiva ausmachen.
Auf dem Weg zu
unserem heutigen Ziel, dem Chilika Lake, erfuhren wir wieder dies und
das, und da ich beim Thema Tongefäße für die Tempelspeisungen
nachfragte, suchte uns Manus einen Töpfer am Straßenrand, und führte
uns in dessen Werkstatt.

Der
Herstellungsprozess der Gefäße nimmt etwa zwei Wochen in Anspruch, den
Ton muss der Töpfer zukaufen, das Feuerholz zum Brennen vermutlich
auch. Für das Endprodukt bekommt er einige Rupies und jede Schüssel
wird nur einmal genutzt. Die Wiederaufforstung der Wälder geschieht mit
schnell wachsendem, aber ökologisch wertlosem Eukalyptus.
"Traditionelle Tongefäße aus Dörfern" klingt zwar wildromantisch und
nach Einklang mit der Natur, und selbstverständlich ist Plastik keine
Alternative, aber was Nachhaltigkeit angeht, ist, wie ich finde, noch
Luft nach oben.
Unser Weg nach Südwesten führte uns dann durch
die Hügel und Wälder der Eastern Ghats, nun haben wir diese 12 Jahre
nach den Western Ghats auch gesehen. Chilika Lake ist ein typisches
"Backwater", wie damals in Kerala, also von Flüssen gespeiste
Süßwasserseen, in die bei Flut das Meerwasser strömt, und somit
Brackwasser bildet. Die so entstandene Landschaft ist Überwinterungsort
für Millionen von Zugvögeln, die sich im März wieder auf den Weg
machen. Unser Besuch in Mangalajodi war überaus angenehm, kein
überfülltes Motorboot mit Touristen, sondern ein kleines, gestaktes
Boot, die ehemaligen Fischer der Region sind jetzt im wahrsten Sinne
des Worte "im Boot" der Naturschutzbehörde.

Wir
sahen viele Vögel unterschiedlichster Arten, wurden von unserem
Naturalist gut betreut, alles war friedlich, leise, und wunderschön,
ein rundum gelungener Ausflug!
Nachdem wir so viele Vögel beim
Verspeisen von frischem Fisch zugesehen hatten, war uns selbst danach,
und das "Hotel Happy Stay" konnte liefern. Wir werden nie erfahren, was
für ein Fisch der gegrillte "Catch of the day" war, aber lecker war er.
Nachtrag: Doch, Ratri sagt, das Internet sagt, ein "Khalti machha", ein Plattfisch.
Nach
der Rückfahrt zum Hotel gingen wir noch einmal ausgiebig am schönen
Strand von Puri spazieren, und dann wurde es kompliziert. Wir hatten
gestern schon gesehen und gehört, dass MicKy und MusKi in unserem Hotel
heiraten, und heute wurden wir gewahr, dass es sich anscheinend um eine
mehrtägige Festivität handelt. Nun muss der Reporter der geneigten
Leserschaft erklären, dass wir hier recht häufig angesprochen und
fotografiert werden, ungefragt, und mit Arrangement. Ich hatte schon
die Idee, für Fotos 50INR (Rupies), Videos 100INR und Videos mit
Grußbotschaft 200INR zu verlangen, um die Reisekasse aufzubessern. Nun
wurden wir also beim Füße entsanden wieder angesprochen, woher wir
kommen, ob uns Indien gefällt, was wir negativ finden, der übliche
Smalltalk. Auf der anderen Seite der Straße, im Hotel Empires, sprach
uns der gute Mann aber wieder an, er sei der Onkel des Bräutigams, also
MicKy, die Familie stamme aus Rajastan, und er freue sich, uns zur
Zeremonie um 20Uhr einladen zu dürfen.
Ich fügte meiner
Preisliste also "Lebende Dekoration bei Festen: 15,000INR" hinzu, und
in uns reifte ein Fluchtplan, wie er "Out of Oder" würdig gewesen wäre.
Mit dem Plastikkrokodil aus Octopussy durch den Pool, dann mit Q's
3000PS-Tuktuk im wilden Galopp durch die Innenstadt, schließlich landen
wir im Jagannath-Tempel, klettern auf den Turm, stoßen den Bösewicht in
den Müllschlucker, schwingen uns am Flaggenseil nach unten und sitzen
dann frisch rasiert mit makellosem Hemd im 13. Stock des Nachbarhotels
bei Mojito und Kingfisher.
Ungefähr so spielte es sich ab. In Indien muss nicht jedes Detail der Geschichte stimmen.
Und
während wir so im 13. Stock speisten, die Fragen des Personals
beantworteten, und unseren letzten Abend in Puri genossen, durften wir
aus erhabener Perspektive betrachten, was wir verschmäht haben.
