22. Februar - I, I will be king, And you, you will
be queen (Dhenkanal Palace)
Indien
ist so interessant, weil eigentlich nie das passiert, was man erwartet.
Das macht die Sache für mich als paranoiden Kontroll-Freak natürlich
schwierig, aber ich muss das trainieren, so wie ich gegen die
Höhenangst ja auch ab und zu auf Leitern und Türme steigen muss.
Erste
Überraschung, ich mache mir Gedanken über die Rechnung im Hotel, wird
es Probleme wegen der Wäsche geben, werden Kreditkarten akzeptiert?
Wäsche umsonst, alles inklsusive, Kreditkarte kein Problem.
Wir
fahren in nördlicher Richtung aus Bhubaneswar heraus, Manus erzählt,
hier sei in seiner Jugend noch alles voller Wald gewesen, nun breitet
sich der Beton-Dschungel aus, und die verbliebenen Elefanten haben
zunehmend Probleme. Die Gegend wird zunehmend ländlich, Cashew-Bäume
rechts und links der Straße, und beim Tee-Stopp kaufen wir sehr
leckere, gewürzte Nüsse zu einem sehr günstigen Preis.
In
Nuapatna folgte die zweite Überraschung, wir besuchten das für
Textil-Herstellung bekannte Dorf, aber keine Verkaufsveranstaltung mit
Tee und Geschenk, bei der am Ende irgendjemand schwach wird. Wir sahen
die Herstellung der Stoffe, Mr. Prathan, unser Fahrer, kaufte einen
Sari für seine Tochter, das war's.
Weiter ging es entlang fruchtbarer Gegenden mit viel Landwirtschaft,
bis zum Dorf Sadeibareni, in dem traditionell Dhorka hergestellt wird,
Figuren in Metallgusstechnik. Auch dort kein Verkaufsdruck, wir mussten
tatsächlich nachfragen, was eine kleine Öllampe kostet.
Dann
kamen wir in Dhenkanal Palace an, einem Palast aus dem Ende des 19.
Jahrhunderts der örtlichen Bhoi Dynastie, heute Hotel, aber immer noch
im Familienbesitz. Als wir im Garten saßen, begann unser Kellner zu
flüstern, die Königin und der König seien da, und auch Manus, der
sich zu uns gesellte, konnte diesen recht seltenen Umstand
bestätigen, denn
eigentlich wohnen die Altvorderen in New Delhi, ihr Sohn kümmert sich
um das Hotel. Etwas später grüßte uns die adelige Familie beim
Verlassen des Gartens, aber das war nur der Anfang.
Wir fuhren
anschließennd nach Joranda zum Mahimara Gari Kloster, und das war die
nächste Überraschung, zum Abendgebet der Mönche war es nicht überfüllt,
wie im Zahntempel in Candy, es wollte niemand Geld, nur viele Fotos und
Videos wurden mit uns aufgenommen. Die Atmosphäre war
friedlich,
würdevoll und inspirierend.
Zurück
im Palast wurden wir gewahr, dass hier heute Babul und
Lisa heiraten, und das wird eine sehr (!!!!) große Party.
Immerhin
konnten wir die Kulisse kurz kapern...
Der
folgende Abend gehörte dann zu den interessantesten unseres Lebens,
nach unserer Rückkehr hatten wir bereits etwas Konversation
mit
Königin und König gepflegt, und dann speisten wir auch mit unseren
Gastgebern. Außer uns war noch ein britisches Paar und eine Gruppe
japanischer Toutisten
anwesend, die einen Landsmann besuchte, der in Bhubaneswar wohnt, und
heute Geburtstag hat.
Aus dem etwas steifen Dinner entwickelte sich ein
schöner Abend, der mit vielen Fotos und viel Spaß endete...